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Anti-Aging: Stress lass nach, ich werd alt. Oder werde ich alt, weil ich Stress habe?!

Die Antwort kann kurz und knapp mit einem „Ja!“ beantwortet werden. Aber gibt es denn Stressfaktoren, die sich besonders auf das Altern auswirken? Es mag erschrecken, aber wahr: Alle Stressfaktoren haben am Ende Einfluss auf das körperliche Altern. Es macht keinen Unterschied, ob wir

  • physikalische Faktoren (wie zu viel Sonne oder Lärm),
  • körperliche Faktoren (wie zu wenig Schlaf, falsche Ernährung, „Giftstoffe“ wie Alkohol oder Nikotin),
  • psychische Faktoren (wie Zeitdruck, Überforderung, Angst, Leistungsdruck),
  • soziale Faktoren (wie Streit oder Konkurrenzdruck)

betrachten. Letztendlich reagiert der Körper immer auf dieselbe Art und Weise auf Stress – und das seit Jahrtausendend. Für alle psychischen und sozialen Faktoren gilt: Unsere Wahrnehmung spielt hier eine entscheidende Rolle, denn nur wenn wir eine Situation oder einen Umstand als stressig wahrnehmen, werden auch entsprechende Reaktionsprogramme im Körper abgerufen. Was nicht stresst, löst auch keine Stressreaktion aus. Wie gesagt, die körperliche Reaktion auf Stress ist immer wieder dieselbe:

  • steigernder Blutdruck
  • erhöhter Herzschlag
  • erhöhte Atemfrequenz
  • erhöhter Blutzuckerspiegel
  • erhöhte Muskelspannung
  • und leider eben – auch und das hat massiv Einfluss auf Alterungsprozesse – Ausschüttung von Stresshormonen (u.a. Adrenalin und Kortisol)

Kurzfristiger Stress ist wichtig und normal, Dauerstress führt auf körperlicher und psychischer Ebene zu Schäden. Und es ist vollkommen egal, woher der Stress kommt. Dieser kann zu einer unkontrollierten Produktion sog.d freier Radikale (eine bestimmte Form von Sauerstoff) führen. Hier sprechen wir dann von oxidativem Stress. Freie Radikale sind völlig natürliche Stoffwechselprodukte, gleichzeitig aber auch recht aggressiv. Sie stören Körperfunktionen und sind im Blut nachweisbar. Normalerweise kann der Körper diese Störungen gut bewältigen. Bei einem Übermaß an Stress nimmt jedoch die Produktion der freien Radikale zu, sodass u. a. die Aktivität des Enzyms Telomerase gestört wird. Dieses spielt scheinbar eine entscheidende Rolle beim Alterungsprozess von Zellen:

Die Enden von Chromosomen (sog. Telomere) verkürzen sich natürlicherweise bei jeder Zellteilung, sodass genetische Information verloren geht. Die Länge eines Telomers ist also ein Zeichen für das Alter der Zelle. Bei den wichtigen Immunzellen, die sich sehr oft teilen, ist es nun so, dass das o.g. Enzym Telomerase die bei der Zellteilung verlustig gegangenen Bausteine ergänzt. Ist jetzt aber ein Übermaß an freien Radikalen vorhanden, so wird die Arbeit des Enzyms gestört: Es ist weniger aktiv, sodass die Chormosomenenden verkürzt sind. Dies wurde in einem Versuch mit gestressten Frauen nachgewiesen. Die University of California hat in diesem Test festgestellt, dass bei Dauerstress die Telomere deutlich verkürzt sind, die Telomerase weniger aktiv ist und die Produktion der freien Radikale erhöht ist (Das Ergebnis des Versuchs wurde veröffentlicht im Fachblatt „Proceedings oft the National Academy of Sciences“, www.pnas.org.)

Manch einer hat große Angst vor dem Älter werden. Kann diese Angst auch dazu beitragen schneller zu altern?

Eine übermäßige Angst, egal woher sie rührt, führt zu Stress und kann den oben beschriebenen Prozess antreiben. Wir sprechen hier aber wirklich über deutlich überhöhte Angst. Angst an sich ist ein menschlich normales und lebenswichtiges Gefühl. Das Übermaß macht sich dadurch bemerkbar, dass der Betroffene sich permanent mit der Thematik beschäftigt, was sich zeigt durch Gedankenkreisen, Vermeidungsverhalten etc.

Alter bringen viele Menschen mit dem Begriff der Schönheit in Verbindung. Schönheit wird meist gleichgesetzt mit Gesundheit, Jugend, Schlanksein etc. Man sollte sich hier wirklich einmal fragen, wer Schönheit definiert. Aus meiner Sicht sollte unbedingt eine neue Definition von Schönheit und Schönsein gefunden werden. Die aktuelle Kampagne des Modehauses American Apparel greift dieses Thema ganz spannend auf: Ein über 60 Jahre altes Model wird in Unterwäsche gezeigt. Provokation? Ja, durchaus! Und gleichzeitig bietet diese Kampagne doch auch die Chance für sich selbst den Begriff von Schönheit neu zu definieren. Schönheit ist – für mich – keine Frage des Alters, sondern eine Frage von Gelassenheit und Selbstbewusstsein in seiner grundlegenden Bedeutung: sich seiner Selbst (seines Lebens, seines Seins, seiner Erfahrungen) bewusst zu sein. Dies bewirkt quasi ein inneres, lebendiges Leuchten, welches auf seine eigene Weise schön ist – und für mich auch schöner ist als unerfahrene, jugendliche oder künstlich erschaffene Schönheit. Und wo wir gerade bei der künstlich geschaffenen Schönheit sind: Schönheit steht auch mit Lebendigkeit in enger Verbindung. Ist eine künstliche Schönheit wirklich noch lebendig? Wenn ich mir die teilweise starren, maskenhaften Gesichter von Menschen nach Schönheits-OPs ansehe, dann frage ich mich, was an dieser Erstarrung schön ist. Aber das ist ja zum Glück immer Geschmacksache.

Gibt es bestimmte Übungen, die helfen können ein Mehr an innerer Gelassenheit aufzubauen? Es existiert eine Reihe von Übungen, die helfen können. Dies steht grundsätzlich in enger Verbindung zur Lebenseinstellung. Wie viel Stress will ich in meinem Leben zulassen, wie will ich mein Lebens ausrichten, was ist mir persönlich wichtig? Achtsamkeitsschulung ist der Schlüssel zu mehr Gelassenheit und das Tolle ist, dass diese Übungen meistens alltagstauglich und kaum zeitaufwändig sind. Die Übungen wirken nicht wie eine Tablette von jetzt auf gleich, sondern bedürfen der regelmäßigen Wiederholung. Dann wird sich ein langfristiger und nachhaltiger Effekt einstellen. Ich selbst gebe regelmäßig Achtsamkeitsworkshops, in denen ich mit den Teilnehmern diverse Übungen ausprobiere und trainiere. Als Beispiel einer alltagstauglichen Übung nenne ich hier gern die „Türklinken-Atmung“: Jedes Mal, wenn ich eine Türklinke berühre, halte ich kurz inne und nehme bewusst einen Ein- und Ausatemzug wahr. Es ist unglaublich, wie viele Türklinken man am Tag berührt!

Darüber hinaus kann auch Yoga und Meditation helfen, mehr Gelassenheit zu entwickeln. Hier sollte man jedoch nicht zum nächstbesten Angebot greifen, sondern beachten, dass diese Berufe nicht geschützt sind. Der gewählte Lehrer sollte unbedingt gut ausgebildet sein, um qualifizierten und vor allem gesundheitsfördernden Unterricht bieten zu können. Alle BDY-Yogalehrer (www.yoga.de) zum Beispiel haben eine 4jährige Ausbildung mit über 700 Ausbildungsstunden durchlaufen und mehrere Prüfungen abgelegt. Darüber hinaus spielt die Persönlichkeit des Lehrers und seine Art zu unterrichten eine Rolle. Nur wer sich beim Lehrer auch wirklich wohl fühlt, entwickelt Vertrauen in den Unterricht und beginnt, mehr Gelassenheit aufzubauen und seine Entspannungsfähigkeit zu steigern.

Grundsätzlich muss jeder für sich einen passenden Weg finden, um immer mehr Inseln der Ruhe im Alltag zu lassen zu können. Entscheidend ist, dass man genau dies tut, dass man also ins machen kommt, dass man eine solche Veränderung zu mehr Gelassenheit aktiv angeht. Älter werden heißt auch auf mehr Erfahrungen zurück greifen – inwiefern kann man das im Alter für sich nutzen? Erfahrung kann ganz wunderbar entspannen. Wer kennt nicht die Unsicherheit der jugendlichen Jahre. Noch einmal 20 sein? Meine Güte, niemals! Erfahrungen führen doch dazu, dass ich mich in immer mehr Situationen immer besser auskenne, zurecht finde und ich entspannter reagieren kann. Das macht selbstbewusst. Und Erfahrungen sammle ich natürlich zeitbedingt mit der Zunahme der Jahre. Eine 20jährige kann gar nicht all die Erlebnisse hinter sich gebracht haben, die eine 40, 50 oder 60 Jahre alte Frau gehabt hat. Meine Erfahrungen möchte ich nicht missen.

Viele ältere Frauen sind auch viel aktiver als früher, kann sich das auch auf das physische Altern auswirken? Selbstverständlich wirkt sich ein Mehr an Aktivität auf den physischen Alterungsprozess aus. Moderate regelmäßige Bewegung hält fit bis in die Zellen, unterstützt alle Stoffwechselvorgänge und hält damit jung. Ein 70jähiger, der regelmäßig Ausdauertraining betreibt, kann ein genauso fittes Herz haben wie ein 30jähriger, der sich nicht regelmäßig sportlich betätigt. Bewegung trainiert nicht nur die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System, sondern sorgt auch dafür, dass die oben genannten Stresshormone abgebaut werden – welche ohne sportliche Aktivität immer weiter im Blutkreislauf zirkulieren und damit wiederum zu einem Mehr an freien Radikalen führen.

Also! Werden Sie aktiv, werden Sie lebendig und freuen Sie sich über jede Erfahrung, die das Leben mit sich bringt. Das Leben will gelebt werden. Genießen Sie es – mit Freude und Gelassenheit.

Die  Kurzversion des Artikels finden Sie übrigens in der März-Ausgabe des Magazins EMOTION:

Anti-Aging_Emotion 04/2014