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Hochsensibilität – was ist das?

Hochsensibilität wird zum Teil aus als Hochsensitivität, Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit bezeichnet, die Terminologie ist leider – noch – nicht einheitlich. Kennzeichnend ist, dass die Betroffenen stärker als der Durchschnittsmensch wahrnehmen und Reize verarbeiten. Die Ausprägung ist nicht einheitlich, sondern unterscheidet sich z. T. deutlich von einem Hochsensiblen zum anderen. Grundsätzlich kann jeder Sinneskanal über die Maßen stark ausgeprägt sein. Im Allgemeinen werden Wahrnehmungen vom menschlichen System quasi „vorgefiltert“, bevor sie in das Bewusstsein gelangen und wir sehen, hören, fühlen etc. Bei Hochsensiblen funktionieren diese Filter weniger stark, es gelangen mehr Eindrücke in die bewusste Wahrnehmung. Weil es so wichtig ist, wiederhole ich mich an dieser Stelle: Praktisch jeder Sinneskanal kann davon betroffen sein. Möglicherweise bestehen sogar Zusammenhänge mit Hochbegabung und Synästhesie. Dies ist allerdings noch nicht fachgewiesen.

 

Für das Verständnis von Hochsensibilität ist dies entscheidend wichtig: Hochsensibilität ist KEINE Krankheit. Die Herausforderung für die Betroffenen besteht darin, mit den Besonderheiten, den Fähigkeiten, ja mit der Gabe zu leben und – salopp gesagt – das Beste daraus zu machen. Oftmals ist es für diese Menschen schon ungeheuer entlastend, wenn sie erkennen, dass sie eben nicht verrückt sind. Und ich weiß, wovon ich schreibe, da ich selbst betroffen bin. Aus diesem Grund habe ich mich für eine Mitgliedschaft im „Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V.“ entschieden und stehe hier als Kontaktperson – auch für die Presse – vor Ort zur Verfügung. Meine Emailadresse im Verbund lautet: neumuenster(at)hochsensibel.org

Typisch sind die folgenden Merkmale bei Hochsensibilität (Achtung: Reizbarkeit ist kein Kriterium für Hochsensibilität!):

  • Die Wahrnehmung von Reizen (sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen) ist detailreich.
  • Die Schreck- und/oder Schmerzempfindlichkeit ist erhöht.
  • Die Wahrnehmung ist subtil (es können Stimmungen von Menschen in einem Raum deutlich wahrgenommen werden).
  • Das Langzeitgedächtnis ist auffällig ausgeprägt (auch kleinste Details können nach Monaten bis Jahren erinnert werden).
  • Stimmungen anderer Menschen beeinflussen das eigene Empfinden sehr stark.
  • Das Denken ist intuitiv.
  • Erlebtes klingt lange emotional nach.
  • Das Erleben von Kunst ist intensiv.
  • Die Persönlichkeit ist meist äußerst vielschichtig und die Interessen sind sehr vielseitig.

Aufgrund der stark ausgeprägten Wahrnehmungsfähigkeit kann es zu Reizüberflutung bei den Betroffenen kommen, sodass diese sich evtl. schneller oder stärker überlastet fühlen durch Geräusche, Gerüche, Licht etc. als der Durchschnitt. Medikamente, Alkohol, Nikotin, Koffein, Drogen können diesen Effekt negativ verstärken. Betroffene reagieren u.U. auch stärker auf Leistungsdruck und Zeitknappheit und sind deshalb ggfs. anfälliger für Stress.

Hochsensible suchen oftmals unbewusst die Abgrenzung, um sich vor Reizüberflutung zu schützen. So kann dies dazu führen, dass sie vom Umfeld als introvertiert, schüchtern, arrogant oder gar autistisch angesehen werden.

 

In der Arbeitswelt…

…fallen die Betroffenen teilweise durch ihre perfektionistische und evtl. auch detailverliebte Arbeitsweise negativ auf. Zeitdruck lässt sie i.d.R. weniger effektiv und fehlerlastiger arbeiten. In zahlreichen Fällen gelten sie als Querdenker, die bei Problemlösungen gern von der Norm abweichen und damit in Arbeitsteams zum Teil als unangenehm und anstrengend auffallen. Auch kann es dazu kommen, dass die Hochsensiblen dem Verhalten von anderen zu viel Bedeutung und damit einher gehend auch zu viel Beachtung beimessen, was bei Kollegen und Vorgesetzten zu Unverständnis führen kann.

Dagegen können sich die Betroffenen ihre Fähigkeiten in der Arbeitswelt jedoch auch zu Nutze machen, insbesondere die stark ausgeprägten sozialen und psychischen. Empathie, Intuition, Langzeitgedächtnis, Denken in größeren Zusammenhängen und auch der stark ausgeprägte Gerechtigkeitssinn können in bestimmten Berufsfeldern Vorteile mit sich bringen.